Zwei hören auf, Walter hat Lust auf mehr
EHINGEN - Noch bevor hierzulande der erste Schnee gefallen ist, verliert die Region zwei ihrer Ski-alpin-Aushängeschilder: Lisa Walz und Moritz Reulein vom TSV Erbach haben ihre Rennkarriere beendet. Dagegen hat sich die Rottenackerin Christine Walter für die kommende Saison einiges vorgenommen.
Seit Anfang September befindet sich Christine Walter bereits im Schneetraining. Das heißt: An jedem zweiten Wochenende fährt die 13-jährige Rottenackerin mit dem Baden-Württembergischen Kader für mehrere Tage in die Berge, um sich für die kommende Saison vorzubereiten. "Sie hat im Fitnessbereich schon im Sommer wesentlich mehr trainiert als im Vorjahr", sagt ihre Mutter Ruth Walter.
Entsprechend ist die Erwartungshaltung. "Christine will im Schülerbereich vorne mitfahren, ihren Kader-Platz festigen und der Konkurrenz aus Bayern Paroli bieten", so Ruth Walter weiter. "Je nachdem, wie sie abschneidet, darf sie dann auch wieder im Deutschen Schüler-Cup starten." Das dürfte heuer nicht gerade einfach werden, denn die Schwäbische Schülermeisterin im Slalom startet als 13-Jährige im jüngeren Jahrgang der Altersklasse U14: Los geht's am letzten Wochenende vor Weihnachten.
Zu kämpfen hat die junge Rottenackerin, die im Herbst zum zweiten Mal in Folge die SZ-Sportlerwahl gewann, nicht nur mit der Konkurrenz auf den Pisten, sondern auch mit der Doppelbelastung Leistungssport/ Schule. So trainiert die Achtklässlerin des Johann-Vanotti-Gymnasiums seit vergangenen Freitag und bis heute auf dem Gletscher und muss die versäumten Schultage irgendwie nachholen. "Sie hat manchmal Lehrer dabei und bekommt die Hausaufgaben per Mail", weiß ihre Mutter. "Im Moment geht das noch ganz gut. Bis jetzt bin ich zufrieden, wie sie das hinkriegt."
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Zeit für aufwendige Hobbys bleibt da natürlich nicht. Christine Walter jedenfalls will dennoch bei der Stange bleiben. "Der große Schritt kommt erst in zwei Jahren, mit dem Übergang in den Jugendbereich", so Ruth Walter. "Dann muss man sich überlegen, wie es weitergeht und ob ein Ski-Gymnasium ein Thema ist."
Auf einem solchen, nämlich in Berchtesgaden, war bekanntlich Lisa Walz. Die Erbacherin schaffte sogar den Sprung in den A-Kader und absolvierte Ende 2007 sogar ihr erstes Weltcup-Rennen. Es sollte ihr letztes sein: Vor knapp einem Jahr erlitt die heute 20-Jährige beim Abfahrtstraining im Kanada einen Kreuzbandriss. Zwar war Walz damals zuversichtlich, dass sie wieder zurückkommt, doch im vergangenen Mai riss das Kreuzband im Reha-Training erneut. "Ich muss jetzt auf die Warnsignale meines Körpers hören", sagt die Erbacherin, die nun BWL studieren und ihr skifahrerisches Können als Jugendtrainerin beim TSV Erbach weitergeben will.
Von Rennskiern zum Freestyle
Dort könnte sie künftig öfters mit ihrem Teamkollegen Moritz Reulein zusammenarbeiten, denn auch er hat seine Renn-Laufbahn beendet. "Ich sehe das mit einem lachenden und weinenden Auge", sagt sein Vater Thomas Reulein. "Einerseits hat er viel investiert und hätte es wohl geschafft, zu den besten drei Deutschen seines Alters zu gehören. Aber ich weiß dennoch, dass er seinen Weg machen wird." Nun konzentriert sich der ehemalige FIS-Rennläufer auf seinen Abschluss an der Ulmer Anna-Essinger-Realschule. Und hat die Rennski gegen Freestyle-Bretter ausgetauscht. "Er hat schon bei einigen Wettbewerben erfolgreich abgeschnitten und will da jetzt groß einsteigen", weiß der Vater. Ob sein jüngster Sprössling, Linus Reulein, in die Fußstapfen seines älteren Bruders treten kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Er fährt derzeit im U12-Regionalkader.
(Erschienen: 18.11.2009 00:14)